Die Kapitalanlagen der deutschen EbAV (II):

BaFin-Datenwerk

von Detlef Pohl, Berlin, 17. August 2017

Neben dem GDV sieht sich auch die deutsche Aufsicht Zahlen und Fakten in der zweiten und dritten Säule genau an. LbAV-Autor Detlef Pohl fasst zusammen.

 

Um die Kapitalanlagen deutscher EbAV zu quantifizieren, hat sich LEITERbAV jüngst drei maßgebliche Quellen näher angesehen: die GDV-Statistik der Lebensversicherer, welche die verbandszugehörigen eigenen Pensionskassen und Pensionsfonds enthält, Auswertungen von Mercer und von PensionsEurope sowie die Erhebung der bAV-Deckungsmittel von Joachim Schwind. Heute ein genauerer Blick auf die BaFin-Zahlen – zunächst auf die Lebensversicherung insgesamt, dann auf die EbAV.

 

 

Was die BaFin-Statistik sagt und was nicht

 

Frank Grund, Chef der BaFin-Versicherungsaufsicht. Foto: BaFin / Ute Grabowsky.

Neben dem GDV hat bereits Anfang Mai auch die BaFin in ihrem Jahresbericht 2016“ die Kapitalanlagen der Lebensversicherer, aller 144 unter ihrer Aufsicht stehenden Pensionskassen sowie der 29 unter ihrer Aufsicht stehenden Pensionsfonds erfasst. Auch hier fehlen naturgemäß die Daten zu Direktzusagen und Unterstützungskassen, da diese bAV-Wege nicht unter BaFin-Aufsicht stehen. Im Einzelnen:

 

Die deutschen Erst-Versicherer unter Bundesaufsicht verwalteten Ende 2016 zu Buchwerten 1,47 Billionen Euro (Vorjahr: 1,41 Billionen Euro) an Kapitalanlagen. Der Bestand erhöhte sich 2016 damit um 4,2 Prozent (plus 59 Milliarden Euro). Im Vergleich der Versicherungssparten verzeichneten dabei die Pensionskassen (plus 5,0 Prozent) neben den Krankenversicherern den größten prozentualen Zuwachs.

 

 

Anlagevehikel: Fonds dominieren

 

Der Bestand an Kapitalanlagen, den die Versicherer indirekt über Investmentfonds halten, hat sich auch 2016 überdurchschnittlich (plus 8,6 Prozent) erhöht und stellt – wie bereits im Jahr zuvor – mit 504,7 Milliarden Euro über ein Drittel des gesamten Kapitalanlagebestands aller Erst-Versicherer dar. Bei den Daten handelt es sich um vorläufige Ergebnisse, die auf der unterjähriger Berichterstattung beruhen. Traditionell ergeben sich im ersten Quartal des Folgejahres noch leichte Veränderungen, die jedoch nicht ins Gewicht fallen.

 

 

Prognoserechnungen und Zinszusatzsreserve

 

Die BaFin führte auch 2016 bei den Lebensversicherern eine Prognoserechnung durch. Damit wird in erster Linie analysiert, wie vier unterschiedliche vorgegebene Kapitalmarktszenarien den Unternehmenserfolg des laufenden Geschäftsjahres beeinflussen. Ergebnis: Die Lebensversicherer können kurzfristig ihren vertraglichen Verpflichtungen nachkommen. Im Fall einer weiter anhaltenden Niedrigzinsphase wäre allerdings damit zu rechnen, dass sich die wirtschaftliche Lage der Unternehmen noch einmal verschärfen könnte. In der Prognoserechnung zum Stichtag 30. September mussten die Unternehmen jeweils simulieren, wie sich ein Rückgang der Aktienkurse um 22 Prozent und ein Anstieg des Zinsniveaus um 50 Basispunkte auf das laufende Jahresergebnis auswirken. Zusätzlich mussten die Unternehmen auch die nachfolgenden neun Geschäftsjahre berechnen.

 

Die Prognoserechnungen der BaFin grenzen sich von deren Stresstests insofern ab, als die Stresstests nun auf der Grundlage des Solvency-II-Bewertungsstandards ablaufen. Die BaFin hielt sich zuletzt damit zurück, dafür sprang EIOPA in die Bresche und führte 2016 erneut einen EU-weiten Stresstest durch, der sich insbesondere an Versicherer richtete, die gegenüber einer lang anhaltenden Phase niedriger Zinsen als besonders exponiert erachtet werden. Aus Deutschland nahmen 20 Lebensversicherer mit einer Marktabdeckung von 75 Prozent teil. Einzelergebnisse wurden nicht publiziert Die Ergebnisse bestätigen aber die Einschätzung der BaFin, dass ein langanhaltendes Niedrigzinsumfeld eine Herausforderung für das deutsche Lebensversicherungsgeschäft bleibt. „Denn die einbezogenen deutschen Lebensversicherer reagieren im Vergleich mit dem europäischen Durchschnitt gerade beim Low-for-Long-Szenario besonders sensibel“, heißt es im BaFin-Jahresbericht.

 

Da das Zinsniveau für Neuanlagen weiterhin sehr niedrig ist, haben viele Lebensversicherer die Überschussbeteiligung für 2017 weiter reduziert. Die laufende Gesamtverzinsung, also die Summe aus garantiertem Rechnungszins und Zinsüberschussbeteiligung, beträgt 2017 für die verkaufsoffenen Tarife in der kapitalbildenden Lebensversicherung im Schnitt 2,5 Prozent. In den Jahren 2016 und 2015 waren es 2,8 Prozent bzw. 3,1 Prozent.

 

Seit 2011 sind die Lebensversicherer verpflichtet, eine Zinszusatzreserve aufzubauen, um einerseits den künftig geringeren Kapitalerträgen und andererseits den unverändert hohen Garantieversprechen Rechnung zu tragen. Gut 12 Milliarden Euro haben sie dafür 2016 aufgewendet. Damit belief sich die Zinszusatzreserve Ende 2016 kumuliert auf 44,1 Milliarden Euro. Der Referenzzins zur Berechnung der Zinszusatzreserve lag Ende 2016 bei 2,54 Prozent. Das bedeutet: Für alle Bestandsverträge, die einen höheren Garantiezins ausweisen, sind entsprechende Zinszusatzreserven zu bilden, damit die Leistungsversprechen jederzeit erfüllt werden können.

 

 

Die Pensionskassen …

 

Zu den EbAV: Die verdienten Beiträge der Pensionskassen summierten sich 2016 auf etwa 6,7 Milliarden Euro und erhöhten sich damit im Vergleich zu 2015 um rund 1,5 Prozent. Im Jahr zuvor waren sie noch um 1,6 Prozent gesunken. Bei den seit 2002 neu gegründeten Aktiengesellschaften, die sich mit ihren Leistungen an alle Arbeitgeber wenden, sanken die Beitragseinnahmen leicht auf 2,6 Milliarden Euro. Bei den vorwiegend von den Arbeitgebern finanzierten Vereinen auf Gegenseitigkeit hängt die Entwicklung der Beitragseinnahmen vom Personalbestand des Trägerunternehmens ab. Die Beitragseinnahmen dieser Pensionskassen stiegen im Vergleich zum Vorjahr an. Sie beliefen sich auf 4,1 Milliarden Euro nach 3,9 Milliarden 2015.

 

 

und ihre Kapitalanlagen

 

Der Kapitalanlagebestand der von der BaFin beaufsichtigten 144 Pensionskassen nahm 2016 um 5,0 Prozent auf rund 155,1 Milliarden Euro zu (Vorjahr: 147,7 Milliarden Euro). Die Positionen „Investmentanteile, Inhaberschuldverschreibungen und andere festverzinsliche Wertpapiere“ sowie „Namensschuldverschreibungen, Schuldscheinforderungen und Darlehen“ sind weiterhin die dominierenden Arten an Kapitalanlagen. Da die seit Jahren niedrigen Zinsen auch 2016 weiter auf einem sehr niedrigen Niveau blieben, haben sich die Bewertungsreserven der Branche im Vergleich zum Vorjahr nur geringfügig verändert. In sämtlichen Kapitalanlagen hatten die Pensionskassen Ende 2016 nach vorläufigen Angaben stille Reserven in Höhe von ca. 24,1 Milliarden Euro (2015: 21,6 Milliarden Euro) vorzuweisen. Dies entspricht ca. 15,5 Prozent der gesamten Kapitalanlagen (2015: 14,6 Prozent). Die stillen Lasten der Pensionskassen unter BaFin-Aufsicht sind mit insgesamt 0,4 Prozent vernachlässigbar gering.

 

Pensionskassen unterliegen nicht dem neuen Regelwerk nach Solvency II. Die Prognosen zeigten, dass der Bedeckungssatz der Solvabilitätskapitalanforderung gegenüber 2015 gesunken ist. In aller Regel können die Unternehmen die Solvabilitätsvorschriften erfüllen; die kurzfristige Risikotragfähigkeit der Branche scheint damit weiterhin gewährleistet. Den Prognosen zufolge liegt die Nettoverzinsung der Kapitalanlagen aller Pensionskassen 2016 wie im Vorjahr bei etwa 3,9 Prozent.

 

Die Bedeckungsquote des Solvabilitäts-Solls der Pensionskassen betrug laut der Prognoserechnung zum Bilanzstichtag 2016 durchschnittlich 131 Prozent und lag damit auf dem Vorjahresniveau. Den Schätzungen zufolge konnten zwei Pensionskassen das Solvabilitäts-Soll zum 31. Dezember 2016 nicht vollständig bedecken. Diese Kassen, deren Namen von der BaFin nicht genannt werden, haben laut BaFin „bereits Maßnahmen ergriffen, um die Risikotragfähigkeit zu verbessern und die Eigenmittelanforderungen künftig wieder einzuhalten“.

 

 

Die Pensionsfonds …

 

Die Pensionsfonds verbuchten 2016 Brutto-Beiträge in Höhe von 2,7 Milliarden Euro. Im Vorjahr waren es 2,2 Milliarden Euro. Die Schwankungen der Beitragseinnahmen erklären sich insbesondere daraus, dass bei Pensionsfonds die Beiträge oft als Einmalbeitrag geleistet werden. Die Zahl der Versorgungsberechtigten stieg im Berichtsjahr auf insgesamt 917.632 Personen (2015: 889.247). Davon waren 579.943 Anwärter aus beitragsbezogenen Pensionsplänen und 42.646 Anwärter aus leistungsbezogenen Pensionsplänen. Die Aufwendungen für Versorgungsfälle stiegen im Berichtsjahr von 1,643 Milliarden Euro auf 1,691 Milliarden. Diese Aufwendungen verteilten sich auf 290.750 Personen, die Versorgungsleistungen bezogen.

 

 

und ihre Kapitalanlagen

 

Die Höhe der für Rechnung und Risiko von Arbeitnehmern und Arbeitgebern verwalteten Kapitalanlagen der Pensionsfonds erhöhte sich 2016 nur leicht von rund 29,4 Milliarden Euro auf 31,7 Milliarden Euro. Diese Kapitalanlagen bestanden zu etwa 93 Prozent aus Investmentanteilen. Die Bewertung dieser Kapitalanlagen erfolgt zum Zeitwert (§ 341 Absatz 4 Handelsgesetzbuch). Alle 29 Pensionsfonds unter BaFin-Aufsicht konnten ihre pensionsfondstechnischen Rückstellungen vollständig bedecken.

 

Die Kapitalanlagen für Rechnung und Risiko der Pensionsfonds erhöhten sich im Berichtsjahr von 2,19 Milliarden Euro auf 2,44 Milliarden. Dies entspricht einem Zuwachs um 11 Prozent (2015: plus 23 Prozent). Im Portfolio waren überwiegend Verträge mit Lebensversicherern, Inhaberschuldverschreibungen, andere festverzinsliche Wertpapiere sowie Investmentanteile. Ende 2016 summierten sich die saldierten stillen Reserven in den Kapitalanlagen der Pensionsfonds auf rund 168,1 Millionen Euro (2015: 127,5 Millionen Euro).

 



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