Run off in der bAV:

AXA verkauft Pensionskasse an Frankfurter Leben

von Pascal Bazzazi, Berlin; Köln, 30. Januar 2018

Jüngst gab es bis in die Politik hinein Unruhe angesichts vorgeblicher Pläne der Ergo, der Generali und auch der AXA, LV-Bestände an Run off-Gesellschaften abzugeben. In der bAV wird nun ein externer Run off offenbar Realität. Es geht um drei Milliarden Euro.

 

Wie die AXA in Köln heute Morgen mitteilte, veräußert der Konzern seine „Pro bAV Pensionskasse“ an den Run off-Spezialisten Frankfurter Leben.

 

Mit der Übertragung soll keine Abkehr der AXA von der bAV verbunden sein, wie der Konzern ausdrücklich betont, im Gegenteil. Man optimiere vielmehr den Einsatz von Managementkapazitäten und Kapital, um Wachstum in anderen Feldern der bAV zu beschleunigen.Die private wie die betriebliche Vorsorge blieben unverändert strategische Säulen der AXA in Deutschland. Dazu werde man sich in der bAV auf die Direkt- und Rückdeckungsversicherung konzentrieren, mit Fokus auf der Entwicklung neuer Produkte und Verkaufsansätze. Insbesondere die Chancen des BRSG wolle man nutzen.

 

 

260.000 Einzelverträge, drei Milliarden Euro Assets

 

Die Übertragung umfasse in Summe etwa sechs Prozent des gesamten Bestands im Vorsorgebereich der AXA in Deutschland beziehungsweise rund 260.000 Einzelverträge und Kapitalanlagen in Höhe von knapp drei Milliarden Euro. Des Weiteren erklärten die Kölner, dass die Berechtigten in der Kasse von niedrigeren Kosten und damit höheren Renditechancen profitierten. Die Frankfurter Leben-Gruppe führe alle Versicherungsverträge der Kasse 1:1 mit unveränderten Garantien, Konditionen und Bedingungen fort und habe verbindlich zugesagt, die Kosten pro Vertrag und Jahr dauerhaft um mehr als 15 Prozent gegenüber 2016 zu senken. Die Veräußerung steht noch unter dem Vorbehalt der BaFin. Zur Freisetzung von Arbeitskräften soll es im Zuge der Transaktion nicht kommen.

 

Patrick Dahmen, AXA.

Patrick Dahmen, im Vorstand der AXA Konzern AG verantwortlich für das Vorsorgegeschäft, erklärt dazu: „Für Kunden sind zwei Faktoren ausschlaggebend: die Rendite ihrer Anlage und die Sicherheit ihrer Altersversorgung. Wir haben dafür Sorge getragen, dass beides gewährleistet ist und sind daher davon überzeugt, dass dieser Schritt auch zum Wohle unserer Kunden ist. Die Frankfurter Leben-Gruppe hat aufgrund ihres grundsätzlich anders gelagerten Geschäftsmodells die Möglichkeit, ein niedrigeres Kostenniveau für ihre Kunden zu erzielen.“

 

Veränderungen im Markt und im regulatorischen Umfeld führten zu stark schrumpfendem Neugeschäft und abnehmenden Beständen bei der Pro bAV Pensionskasse, erklärten die Kölner die Lage. Ohne die Kostenbegrenzung der Frankfurter Leben bestünde die Gefahr, dass die Stückkosten pro Vertrag stiegen und damit die Rendite für die Kunden sinke. Als vergleichsweise junge Gesellschaft musste die Pro bAV ihre Überschussbeteiligung im anhaltenden Niedrigzinsumfeld schon deutlich reduzieren. Gegenüber anderen Produkten habe die Kasse insbesondere im Neugeschäft so deutlich an Attraktivität verloren.

 

 

Hundertpro bAV

 

AXA steht hundertprozentig zur privaten und betrieblichen Altersversorgung. Wir sind von den Marktchancen in diesem Bereich überzeugt und haben noch viel vor. Die Pro bAV Pensionskasse ist ein Sonderfall. Mit ihrer Veräußerung an die Frankfurter Leben-Gruppe können wir uns stärker fokussieren und uns operativ auch so aufstellen, dass wir unser Vorsorgegeschäft mit Nachdruck vorantreiben und noch stärker wachsen“, teilte Alexander Vollert, Vorsitzender des Vorstands der AXA Konzern AG, zu dem strategischen Hintergrund des Verkaufs mit.

 

Der AXA Konzern zählt mit Beitragseinnahmen von 10,7 Mrd. Euro (2016) und 9.217 Mitarbeitern zu den großen Versicherungs- und Finanzdienstleistungsgruppen in Deutschland. Die AXA Deutschland ist Teil der AXA Gruppe, einem der weltgrößten Versicherer und Vermögensmanager mit 166.000 Mitarbeitern und Vermittlern sowie 107 Millionen Kunden in 64 Ländern und Assets under Management von 1,43 Billionen Euro (Ende 2016).







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