EIOPA legt Financial Stability Report vor (VI):

Alles wie gehabt

von Pascal Bazzazi, Frankfurt am Main, 17. Juni 2015

 

Die europäische Aufsichtsbehörde hat im Mai turnusgemäß ihren Financial Stability Report vorgelegt. Wie immer beschäftigt sich die die Behörde nicht nur mit den zentralen Risiken, sondern legt auch quantitative Auswertungen zu den Pensionsvermögen in den EU-Staaten vor. Heute geht es aber zunächst um die Risiken.

 

 

Wie in den Reports der Vorjahre identifiziert die EIOPA weiter die drei üblichen Risiken für die europäische Versicherer-, Rückversicherer- und die IORP-Landschaft, die sie immer wieder adressieren muss: die schwache Konjunktur, ein anhaltender Niedrigzins und schließlich das Credit Risk.

 

Und wie in den Vorjahren muss sie sich janusköpfig äußern, ist doch für das Risiko des Niedrigzinses unmittelbar (und für die beiden anderen genannten Risiken zumindest mittelbar) in erster Linie eine andere europäische Behörde, nämlich die EZB, verantwortlich, da sie unter ständig abstruseren Begründungen mit ständig abstruseren Maßnahmen die europäischen Fiskal- und Realwirtschaften mit viel zu billigem Geld flutet. Dem seit März laufenden QE-Programm der EZB versucht die Aufsichtsbehörde mit leichten volkswirtschaftlichen Verrenkungen dabei noch etwas Positives abzugewinnen. So schreibt EIOPA-Chef Gabriel Bernardino in seinem Vorwort zu dem Programm

 

Although it should have a positive impact on the European insurance and pension sectors in the long run when economic growth will improve, new challenges have been created in the short-term. Quantitative easing has further lowered the risk-free rate with negative consequences for insurers and pension funds. It is, and will be, extremely difficult for insurers and pension funds with the most exposed business models to maintain their profitability without taking more risks.“

 

Später im Bericht muss man die Lage nochmal mit „obwohl“ zu relativieren versuchen:

 

Although the current QE policy decreases the potential risk for a reversal in the investment flows (that has been compressing spreads on higher yielding assets) slightly, the risk remains high in the medium to long term. A re-aggravation of the sovereign debt crisis driven by the situation in Greece and increasing geopolitical risks would trigger such a scenario with severe negative implications for the insurance and pension sector.“

 

Als „geopolitische Risiken“ erwähnt der Bericht später übrigens ausdrücklich die Lage in der Ukraine und im Nahen Osten. Doch letztlich kann der Report die Probleme, die QE schafft, nicht verhehlen:

 

The QE programme substantially reduced market volume for some assets classes which significantly increased volatility of their daily returns. Hence, the liquidity of sovereign bonds used for the QE programme was dramatically reduced which in turn has caused an increase of volatility for their returns. In such an environment, a risk reversal scenario could be triggered by a relatively limited market move.“

 

Ausgerechent für das Pensionswesen können die Folgen besonders weitreichend sein:

 

The triggering of a risk reversal scenario […] (low risk free rates with increased credit risk premiums), could potentially impact the pension sector even harder than the insurance sector […]. The risk that DB funds would become underfunded (or subject to increased underfunding) in the short to medium future remains high through increasing pension liabilities. This could have an impact on the risk of possible future solvency of the sponsor.“

 

Im letzten Satz deutet die Behörde damit sanft eine Problematik an, die derzeit in Deutschland an Schärfe gewinnt: Der massiv steigende Druck auf Unternehmen (besonders im Mittelstand) wegen steigender Pensionslasten infolge niedrigen Diskontsatzes. Auf dem deutschen Parkett mehren sich in letzter Zeit die Stimmen, die hier sogar vor Insolvenzen warnen. Womit wir dann wieder bei dem von EIOPA angesprochene Risiko der schwachen Konjunktur wären…

 

Wie dem auch sei, wenig überraschend bleiben die Risiken die gleichen, ihre Ursachen auch, damit wiederholt LbAV erneut sein Fazit aus den Vorjahren:

 

Alle drei von EIOPA genannten Kernrisiken sind politisch hausgemacht: Die Ursache des Niedrigzinses bedarf wohl keiner weiteren Erläuterung. Doch hat die Geldschwemme praktisch aller westlichen Notenbanken und über praktisch alle Kanäle schließlich auch Wirkungen auf die Realwirtschaft: Marode Industrieunternehmen und Banken, die längst hätten das Zeitliche segnen müssen, können sich zu aberwitzig niedrigen Kosten refinanzieren – leicht abzulesen an den geringen Returns der Corporates selbst sanierungsreifer Emittenten. Wer aber Krisen unterbindet – und die damit einhergehenden Bereinigungen der Realwirtschaft – der schafft ein Klima des nachhaltig niedrigen Wirtschaftswachstums. Und auch die Ansteckungs- und Downgrade-Gefahren bei Staats- und Bankanleihen sind Folge einer Krise, die erstens durch zu viel billiges Geld entstanden ist und zweitens seit einem halben Jahrzehnt durch noch mehr billiges Geld kuriert werden soll. Hinzu tritt die den offiziellen Inflationsstatistiken der Verbraucherpreise diametral entgegenstehende, längst grassierende Asset Inflation, die EbAV täglich die Frage der Wiederanlage schwerer beantworten lässt – sei es bei Aktien, Corporates, Real Estate oder Govies.“

 

Morgen beschäftigt sich Leiter-bAV.de mit den quantitativen Auswertungen des Reports.

 

Der 92 Seiten starke Report findet sich in englischer Sprache hier.

 

 

 


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