GDV, BVI, WTW – ein paar Zahlen:

41 Billionen und ein Airbus 380

von Pascal Bazzazi, Köln am Rhein, 8. Februar 2017

Zwei Verbände haben jüngst Zahlen vorgelegt, die mittel- oder unmittelbar die bAV betreffen. Und eine internationale, recht stattliche Größenordnung gibt es auch.

 

Der GDV hat Zahlen zur bAV im Versicherungswesen vermeldet: Die Zahl der bAV-Verträge stieg demnach 2017 nach vorläufigen Daten um 1,9 Prozent auf über 15,7 Millionen. Das diesbezügliche Beitragsvolumen legte um 5,7 Prozent bzw. auf rund 19,4 Milliarden Euro zu.

 

Im Einzelnen: Die Beiträge für Direktversicherungen summierten sich auf knapp 7,9 Milliarden Euro (+1,9 Prozent). Auf Rückdeckungsversicherungen entfielen gut 7,3 Milliarden Euro (+13,0 Prozent), auf Pensionskassen 2,6 Milliarden Euro (-3,5 Prozent) und auf Pensionsfonds 1,5 Milliarden Euro (+10,8 Prozent). Der Anteil der bAV an den Beitragseinnahmen der Lebensversicherung insgesamt summierte sich damit auf 21,3 Prozent – im Jahr 2000 waren es erst 12,7 Prozent.

 

Peter Schwark, GDV.

Erstmals überschreitet die Zahl der Direktversicherungen über acht Millionen. Die Verträge in den Pensionskassen der Versicherer belaufe sich auf rund 3,7 Millionen, die in den Pensionsfonds 491.000. Hinzu kommen rund 3,5 Millionen Rückdeckungsversicherungen, die Arbeitgeber oder bspw. U-Kassen zur Absicherung von Rentenzusagen abgeschlossen haben.

 

Peter Schwark, Mitglied der GDV-Geschäftsführung, kommentierte die Zahlen mit Blick auf die die gegenwärtig in die Umsetzung gehende bAV-Reform:

 

Die bAV leistet einen stetig wachsenden Beitrag zur Altersvorsorge der Arbeitnehmer. Dieser positive Trend muss sich in den kommenden Jahren aber noch verstärken, um Versorgungslücken bei der gesetzlichen Rente auszugleichen. Das BRSG bietet einige neue Möglichkeiten, die von Arbeitgebern und -nehmern genutzt werden sollten.“

 

 

560 Tonnen Papier: BVI fordert bessere statt noch mehr Regulierung

 

Auch der deutsche Fondsverband BVI hat Zahlen vorgelegt. 2017 hat das verwaltete Vermögen erstmals die Marke von drei Billionen Euro und die von einer Billion Euro bei Publikumsfonds übertroffen. Das verwaltete Gesamtvermögen der Branche stieg damit seit Ende 2007 um 77 Prozent auf 3.001 Milliarden Euro. Mit 1.594 Milliarden Euro entfällt über die Hälfte auf offene Spezialfonds. In offenen Publikumsfonds verwalten die Fondsgesellschaften 1.022 Milliarden Euro, in geschlossenen Publikumsfonds sowie geschlossenen Spezialfonds sechs Milliarden Euro und in freien Mandaten 379 Milliarden Euro.

 

Thomas Richter, BVI.

Der BVI warnt Behörden und Politik angesichts anhaltend niedriger Zinsen, Überregulierung und der Verselbstständigung der europäischen Aufsichtsbehörden vor Belastungen für Fondsbranche und Sparer. „2017 hat die Branche mehr gesetzliche Vorgaben umgesetzt als je zuvor“, sagt BVI-Hauptgeschäftsführer Thomas Richter auf der Jahrespressekonferenz des Verbandes. Eine große deutsche Fondsgesellschaft musste laut BVI wegen MiFID II, PRIIPs und der Investmentsteuerreform insgesamt 560 Tonnen Post an ihre Kunden schicken – entsprechend dem Gewicht eines vollbeladenen und vollgetankten Airbus 380. „Die Branche ist inzwischen überreguliert. Statt immer weitere Regeln zu erlassen, sollten jetzt erst einmal die Wirkung der existierenden Vorschriften bewertet sowie Widersprüche und Fehler beseitigt werden“, so Richter.

 

 

USA und dann lange nichts – von Deutschland ganz zu schweigen

 

Schließlich hat Willis Towers Watson in Zusammenarbeit dem Thinking Ahead Institute ermittelt, dass Pensionsfonds in den 22 größten Märkten der Welt (P22) zum Jahresende 2017 zusammen 41,3 Billionen USD verwalteten – der höchste Wert seit Beginn der Aufzeichnungen 1997.

 

Die gesammelten Assets der IORPs haben 2017 um 4,8 Billionen USD und damit rund 13 Prozent zugelegt, ebenfalls Rekord. Die durchschnittliche jährliche Zunahme seit 1997 liegt damit bei 6,2 Prozent.

 

Größter Markt sind mit weitem Abstand die USA, deren IORPs 61 Prozent der Assets auf sich vereinen, gefolgt von Großbritannien (7,5 Prozent, Japan (7,4). Wie berichtet, hatte PensionsEurope für 2015 für seine Mitgliedstaaten Assets von rund 3,6 Billionen Euro ermittelt, als grob ein Zehntel der hier von WTW ermittelten globalen Assets.

 

Für Deutschland ermittelt die Studie 472 Milliarden USD – ein Wert, der stark von den Statistiken Joachim Schwinds abweicht, der schon für 2015 circa 575 Milliarden Euro ermittelt hat. In diesem Zusammenhang sei hier erwähnt, dass die Schwierigkeiten bei der Abgrenzung in Deutschlands vielschichtigem System (unternehmenseigene und Branchen-EbAV, Versicherer, Finanzierung via Rückstellung, CTAs, U-Kassen, ZVK, Riester, Rürup, teilgefundete Beamtenpensionen…) internationale (und auch nationale) Studien oft an ihre Grenzen führen (so hielt LEITERbAV eine OECD-Studie für das Jahr 2016 nur für eingeschränkt aussagekräftig, allerdings auch aus anderen Gründen).

 

Zurück zu der aktuellen Studie: In der Relation Pensions Assets zu BIP liegen wenig überraschend die Niederlande mit 194 Prozent vorne, gefolgt von Australien mit (138) und der Schweiz (133).

 

Zu der Studie mit vielen interessanten Charts geht es hier.

 

Die Zusammenfassung der Highlights findet sich auf den Seiten von WTW hier.

 



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