Pensions in der OECD:

38 Billionen US-Dollar!?

von Pascal Bazzazi, Köln, 27. November 2017

Wie ist es eigentlich um das Pensionswesen bestellt – in der OECD und weltweit? Ein OECD-Bericht könnte einen Überblick geben. Könnte – wen man als Leser denn wüsste, woran man überhaupt ist.

 

Will man sich einen quantitativen und qualitativen Überblick über die Dimension der zweiten Säule und ihrer Kapitalanlagen verschaffen – sei es deutschland-, europa- oder weltweit, kann man sich verschiedener Quellen bedienen. LEITERbAV bemüht hierzu regelmäßig die Auswertungen von Joachim Schwind, des GDV, der BaFin, der PensionsEurope sowie der Consultants Mercer und Willis Towers Watson.

 

In der Natur der Sache liegt, dass bei zunehmender räumlicher Ausdehnung die Aussagekraft der Studien nachlässt, ja, nachlassen muss. Dies dürfte an Problemen der Messgenauigkeit liegen, noch mehr aber an Abgrenzungsfragen in der vielfältigen Welt der Altersvorsorge (die deutsche bAV ist ein gutes Beispiel für diese Vielfalt und ihre Abgrenzungsschwierigkeiten.)

 

 

Massiv betroffen von dieser Problematik ist auch der jüngste Bericht „Pension Market in Focus 2017“ der OECD: Einerseits handelt es sich hier um eine bemerkenswerte Fleißarbeit, die über die OECD hinaus insgesamt 85 Staaten erfasst und ermittelt haben will, dass beispielsweise „in 2016, private pension assets reached their highest-ever level at over USD 38 trillion in OECD countries“. 66 Prozent davon sollen allein auf die USA entfallen.

 

 

 

 

 

Was ist was?

 

Die Aussagekraft des Reports kann als äußerst beschränkt bezeichnet werden. Denn unklar bleibt, was hier überhaupt unter „Pension“ verstanden wird. So heisst es in dem Report:

 

The first part of this report describes the main characteristics of funded and private pension arrangements in the OECD area and beyond. It describes them by size (in terms of assets) and type of plan (occupational/personal, defined benefit/defined contribution).“

 

Und weiter:

 

The analysis covers all types of funded and private pension arrangements and considers all types of pension providers: pension funds, employers through their books, insurance companies, banks or investment companies.“

 

Also sollen offenbar „personal“ und „private pension arrangements“ ebenso erfasst sein wie „employers through their books“.

 

Um zu wissen,was die OECD unter „personal“ respektive „private“versteht, muss man weiter suchen – und wird fündig nicht in dem Report selbst, sondern in dem „Private Pensions OECD Classification and Glossary“. Dort wird „personal“ wird von „occupational pensions“ abgegrenzt:

 

Personal pension plans: access to these plans does not have to be linked to an employment relationship. The plans are established and administered directly by a pension fund or a financial institution acting as pension provider without any intervention of employers.“

 

Und zu „private“ heisst es:

 

Private pension plan: a pension plan administered by an institution other than general government. Private pension plans may be administered directly by a private sector employer acting as the plan sponsor, a private pension fund or a private sector provider.“

 

Damit muss man annehmen, dass der Report, in dem das Wort „pillar“ nicht einmal auftaucht, Betriebsrenten einschließlich rückstellungsfinanzierter Schemes ebenso erfasst wie nicht-betriebliche Altersvorsorgepläne – in Deutschland also mindestens Riester- und Rürup-Renten und je nach Sicht auf die Dinge ggf. sogar private Lebens- und Rentenversicherungen.

 

Doch die naheliegende, einfachste Gegenprobe – just die Frage nach den deutschen Größenordnungen – ernüchtert schnell. So heißt es versteckt im Kleingedruckten:

 

Data for Germany only refer to Pensionsfonds and Pensionskassen supervised by BaFin.“

 

Nicht erfasst sind also Direktzusagen mit DBO und CTA, Direktversicherungen, U-Kassen, und Zusatzversorgungskassen; von Riester, Rürup und dritter Säule ganz zu schwiegen (obwohl all diese Daten zumindest in groben Größenordnungen verfügbar sind).

 

Wenn zu befürchten steht, dass die Autoren es sich auch bei anderen Ländern so einfach gemacht haben mit der Abgrenzung wie bei den deutschen Systemen, sollte das Grund genug sein, sich bei den belastbaren Ergebnissen des Berichts auf die Keyfacts zu beschränken – nämlich dass die Pensionsvermögen in der OECD mehrere Dutzend Billionen USD betragen und ca. zwei Drittel davon auf die USA entfallen. Wer hier mehr ableiten will, könnte sich aufs Glatteis begeben.

 

Der 40seitige, englischsprachige Report „Pension Market in Focus 2017“ der OECD findet sich hier.

 

 



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